Pflege

Blattfall im Winter

Winter Blattfall tritt auf an in Kübeln gehaltenen Citruspflanzen. Viele Leute scheinen dieses Problem zu haben, wenn die Pflanzen nicht in einer Gärtnerei sondern zu Hause überwintert werden. (Quelle: California Rare Fruit Growers Magazine "Fruit Gardener") Das Phänomen Winter Blattfall bei Zitrus Kübelpflanzen tritt vornehmlich bei Zitrus-Pflanzen in Ihrem Winter-Quartier auf. Während der Sommermonate verbringen viele der Zitruspflanzen im Freien, wo Sie Sonne und Wärme genießen dürfen. Mit dem Auftreten kühlerer Temperaturen, werden dies vor dem Winter wieder eingeräumt, um die Pflanzen vor Frost zu schützen.

Die am häufigsten gemachte Empfehlung für die Überwinterung ist, den Pflanzen soviel Licht wie möglich zu bieten und die Erde feucht zu halten, aber nie naß. Der Erde sollte aber eine längere Zeit eingeräumt werden um abtrocknen zu können, als im Sommer. Die Temperatur sollte zwischen 5-10° C liegen.

Sollten Sie so verfahren und noch nie Probleme bei der Überwinterung gehabt haben, dürfen Sie sich glücklich schätzen, denn die meisten Leute die so verfuhren, hatten Probleme mit dem Blattfall. Deren Pflanzen warfen im Winter Blatt für Blatt ab und im Frühling, wenn die Pflanzen wieder ins Freie durften hatten Sie oft kein einziges Blatt mehr auf ästen und Zweigen. Die Blätter werden oft ohne die Blattstiele abgeworfen und zeigen oftmals keinerlei chlorotische Muster oder Farbverlust.

Unser erster Gedanke ist, daß der Blattverlust durch unsere schlechten Lichtverhältnisse im Winter verursacht sind. Aber trotz Zusatzbeleuchtung hört der Blattfall nicht auf. Oftmals fallen bei sonnigen Wintertagen mehr Blätter ab, wie wenn die Lichtverhältnisse durch schlechtes Wetter Tagelang dunkel und trüb sind.

Es wurde deshalb versucht herauszufinden, wo die Gründe für den Blattfall liegen. 5 Zitronensämlinge der Sorte "primofiorre" mit einer Höhe von ca. 30 cm wurden für einen versuch ausgewählt.

- Die erste Pflanze wurde an einem hellen Südfenster platziert. Die Raumtemperatur lag bei 6-10° C.

- Die zweite Pflanze wurde im selben Raum an einem Nordfenster platziert.

- Für die 3. Pflanze wählten wir einen Raum mit einer Temperatur um die 15° C.

- Die 4. Pflanze wurde im gleichen Raum an einem Südfenster platziert.

- Die 5. Pflanze wurde an einem Südfenster mit Zusatzbeleuchtung bei einer Temperatur von 21° C aufgestellt.



Nach dem Winter zeigte sich folgendes Bild:

Pflanze 1 verlor nahezu alle Blätter.
Pflanze 2 verlor einige Blätter.
Beim Rest der Pflanzen waren keine oder weniger als 5 Blätter abgefallen.

Die Schlußfolgerung war, daß nicht die Lichtverhältnisse die Ursache für den Blattverlust sind, sondern die Temperatur. Nach ausführlichen Diskussionen mit Citrusexperten in Florida und Israel kam man zu dem Schluß, daß ungünstige Temperaturen den Blattfall verursachen. Temperaturtabellen in dem Buch "Biology of Citrus" (Cambridge Press) zeigen, daß Citrus bei Temperaturen unter 12,5° C das Wurzelwachstum und -funktion zum Erliegen kommt. Die Blattaktivität wird reduziert, wenn die Temperatur unter 18° C fällt.

Mit Blattaktivität meint man den ganzen Prozeß der Wasserverdunstung zur Kühlung des Blattes, Energieumwandlung (Photosynthese) und Stärkereduktion zur Bildung von Aminosäuren und anderer Stoffe für das Pflanzenwachstum und Zellteilung. Citruspflanzen regeln die Blattemperatur durch die Verdunstung von Wasser an der Blattfläche. Diese reduziert die Temperaturen auch während heißer Perioden und hält die Blattemperaturen zwischen 25 und 35° C.
Auch an kalten Tagen kann die Blattemperatur durch Sonneneinstrahlung schnell die kritische Temperatur von 12,5° C überschreiten. Da die Photosynthese bei kühleren Tagestemperaturen mit einer hohen Lichtintensität (morgens) besser funktioniert als bei heißen Mittagstemperaturen, wird in dieser Zeit mehr Stärke produziert und weniger Wasser verdunstet als am Nachmittag. Die optimalen Temperaturen für die photosynthetische Aktivität liegen bei den meisten Pflanzen zwischen 10 und 32° C. Zur Photosynthese werden Kohlendioxid, Licht und Wasser benötigt um das Kohlendioxid in Stärke und Sauerstoff umzuwandeln. Während der Nacht wird die Stärke oxidiert um Energie für das Pflanzenwachstum und -entwicklung bereitzustellen. Den ganzen Prozeß nennt man Atmung. Wasser und Nährstoffe für den Atmungsprozeß müssen von der Wurzel aufgenommen werden. Sauerstoff und Kohlendioxid werden aus der Luft über die Blätter und auch über die grünen Bestandteile der Pflanze aufgenommen. Um die beste Leistung für Wachstum, Blüte und Fruchtentwicklung zu gewährleisten, müssen die Wurzeln und Blattaktivitäten im Gleichgewicht zueinander stehen. Wenn eine Zitruspflanze bei Temperaturen unter 12° C gehalten wird, aber genug Licht zur Photosynthese aufnimmt, dann ist das Gleichgewicht gestört. Die Blattaktivität benötigt Wasser, welches die Wurzel nicht liefern können. Für die Kühlung der Blätter steht der Pflanze an hellen Tagen zu wenig Wasser zur Verfügung. Um wieder ins Gleichgewicht zu kommen wirft die Pflanze soviel Blätter ab, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist.

Dies scheint die beste Erklärung für den winterliche Blattabwurf zu sein. Teilweiser oder kompletter Blattabwurf ist niemals kritisch, wenn der Wurzelballen auf der trockenen Seite gehalten wird. Bei zu feuchter Erde setzt jedoch, auch an Pflanzen die auf Poncirus trifoliata veredelt sind, eine rasche Wurzelschädigung ein. Die meisten Pflanzen erholen sich im Frühling ziemlich schnell, vorausgesetzt die Wurzeln sind gesund und eine reiche Blüte setzt ein. Wenn sich die Pflanzen jedoch komplett (Wurzeln und Blätter) erholen müssen, werden oftmals die Stärkereserven im Stamm aufgebraucht und im Sommer nicht völlig aufgefüllt. Viele Citruspflanzen leiden dadurch, das Wachstum stoppt und die Pflanzen sterben nach einigen Jahren, sobald die Stärkereserven vollends aufgebraucht ist.

Bewässerung während des Winters scheint empfehlenswert um den Blattverlust zu verlangsamen. Giessen mit warmem Wasser 25-32° C unterstützt die Wurzelfunktion und die Wasseraufnahme und reduziert den Streß der Pflanze während der kalten Jahreszeit und ist somit empfehlenswert. Auch die Aufstellung der Pflanze in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit kann den Blattfall verlangsamen, aber ihn nicht verhindern. Ein nicht zu heller Platz kann durch verminderte Blattaktivität den Blattfall verlangsamen.

Eine Wurzeltemperatur zwischen 15 und 18° C scheint die beste Lösung für das Problem zu sein. Die Pflanzenfunktionen sind minimiert, aber die Wasser- und Nährstoffaufnahme ist hoch genug um den Atmungsprozeß und die Blattkühlung aufrechtzuerhalten. Eine leichte Winterchlorose (gelbe Blattadern, stumpfe Blattoberfläche und Wachstumsverlangsamung) kann sich einstellen, aber diese Symptome verschwinden im Frühjahr mit steigenden Temperaturen. Bei hartnäckigem Blattfall sollte die Ballentemperatur auf ca. 21° C angehoben werden.

Manchmal trocknen die Früchte im Winter aus oder werden abgeworfen, wenn der Streß den die Pflanze erfährt zu groß wird. Um die Fruchtentwicklung und die Reife zu fördern sollte die Temperatur höher eingestellt werden, damit die Blattaktivität aufrechterhalten bleibt. Aber vergessen Sie nie: Die beste Pflege für Ihre Pflanze ist, was die Pflanze ohne Verluste an Blättern und Früchten toleriert. Wenn die Pflanze den Winter ziemlich gut übersteht und das obwohl die Pflege von den hier genannten Empfehlungen abweicht, dann sollten Sie Ihre Kulturbedingungen nicht ändern. Wenn Ihre Pflanzen aber unter Blattverlust leiden, dann überprüfen Sie Ihre Bedingungen und ändern diese vorsichtig.

Vermeiden Sie schnelle Umgebungsveränderungen der Pflanze, damit die Pflanze Zeit hat sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Größere Veränderungen sollte sich über einen längeren Zeitraum hinziehen um der Pflanze eine Chance zur Anpassung zu geben.

Johann Chr. Volkamer schrieb 1714 daß es empfehlenswert ist die Wurzeln wärmer zu halten. Volkamer der ohne die modernen Errungenschaften auskommen mußte, stellte seine Pflanzen in ein Glashaus und umgab die Töpfe mit Kuh- und Pferdemist. Dieser Mist begann zu verrotten, wenn er feucht gehalten wurde. Durch den Verrottungsprozeß wurde Wärme erzeugt, welche die Wurzeln warm hielt. Zudem wurden die Pflanzen auch im Winter mit Nährstoffen versorgt. Auf diese Weise wurde der Blattfall im 18. Jahrhundert verhindert. Da das damalige Glas nicht so lichtdurchlässig war, wurden die Pflanzen zudem etwas abgeschattet. Volkamer hat auch von schwerer Fruchtwelke geschrieben, die durch die Mistpackungen verhindert werden kann. Dies zeigt wie Kältestreß auf Zitruspflanzen wirkt. Kälteempfindlichere Arten wie Zitrone, Limette und andere Zitronenvariationen sind vom Winterblattfall mehr betroffen wie Pomeranze, Orange oder Mandarinenartige Pflanzen.

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